Man ist erst im Hafen, wenn man im Hafen ist – von Svendborg nach Aerököping

08.09.2014, 19:25 Uhr, Aerököping (Aerö)

„Bist Du schon wieder vom Laufen zurück?“ Ja, das war sie, weil die Wettervorhersage für den Tagesverlauf stärkeren Wind verkündete, wollte die Skipperin alsbald möglich ablegen. So sind wir also bei strahlendem Sonnenschein und mäßigem Wind hinter der in Svendborg auslaufenden Fähre gen Aerö durch das betonnte Fahrwasser hergezuckelt. Natürlich hat es nicht lange gedauert und die Fähre war auf und davon. Egal, was solls. Da wir den Wind permanent von vorn hatten, sind wir nur mit 3-4 Kn unter Motor voran gekommen. Zum Kreuzen fehlte uns die Lust, weil kurz darauf wieder ein enges Fahrwasser kam und wir wir schnellstens nach Aerö wollten. So ca. 3 sm vor Aerö, es war wieder Platz zum Segeln, haben wir dann doch das Vorsegel gesetzt, um schneller voran zu kommen. Statt 3 kn lief die Marzemino nun 5 Kn. Das geht ja ganz gut ab!. „Tanja, da hinten kommt Regen!“ Tja und mit dem Regen kam auch der Wind und die Sicht verschlechterte Sicht. Dabei war ich in Gedanken schon im Hafen und hatte den heute morgen frisch gekauften Fisch vor Augen. So schnell war aber daran nicht zu denken. Dummerweise verhedderten sich die Schoten bei Reffen der Fock auch noch. Ich hatte nicht aufgepasst und die Luvschot nicht dichtgehalten. So ist Tanja dann bei Wind und Regen nach vorne und hat die Schoten wieder auseinander getüddelt. Tja, und dann war der Spuk auch schon wieder vorbei. Der Regen zog ab, wir das Vorsegel komplett rein und tuckerten bei Sonnenschein in den Hafen von Aerököping. Vorsichtig hinter dem größten schwimmenden Kunstwerk der Welt (laut Prospekt hier auf Aerö – ob das wohl stimmt?) her – eine bemalte Fähre, die direkt vor der Hafeneinfahrt anlegt. Und uns im übrigen auch erst entgegengekommen ist und uns kurz vor Aerököping wieder überholt hat.
Der Ort selbst ist eine Besichtigung wert. Eine aus dem Mittelalter übriggebliebene Idylle an schönen Fachwerkhäusern. Allerdings so richtig belebt scheint das Dorf, zumindestens zur Zeit, nicht mehr zu sein. Inselherbst. Viele Cafés und Restaurants sind (bereits?) geschlossen. Einige Häuser stehen auch zum Verkauf. Trotzdem fahren jeden Tag von hier bestimmt 10 Fähren nach Svendborg. [M]

Svendborg

Svendborg

Keine Chance dran zu bleiben

Keine Chance dran zu bleiben

Das größte schwimmende Gemälde

Das größte schwimmende Kunstwerk der Welt (?)

Aerököping - schöne Farbkombination

Aerököping – schöne Farbkombination

Aerököping - kleine aber feine Häuschen

Aerököping – kleine aber feine Häuschen

Aerököping - schönes Dörfchen

Aerököping – schönes Dörfchen

Im Gewuselladen auf der Suche nach einer Postkarte

Im Gewuselladen auf der Suche nach einer Postkarte

Nimm dir Zeit / Gib Dir Zeit

Nimm dir Zeit / Gib Dir Zeit

Ach, das werde ich vermissen: Erst ein bischen segeln, durchaus auch mal etwas anstrengend, dann ist die Freude im Hafen zu sein umso größer. Und dann ein kleiner Snack (frischer Rauchfisch mit knusprigen Brötchen) und ein Spaziergang durch eine unbekannte Stadt, die Suche nach einer Postkarte, ein leckeres Eis auf der Hand und dann Rest-Sonne in der Plicht. Heute habe ich pflichtschuldig das Projektmanagement Lehrbuch vorgenommen, aber so ein Schlümmerchen mit dem Gesicht in der Sonne ist halt auch nett. Es lässt sich nicht leugnen, der Sommer ist vorbei, die meisten Rosen sind verblüht, auch wenn es noch drei bunte Blüten gibt und sobald die Sonne weg ist, wird es ziemlich kühl. Mit heissem Tee aus der Thermostasse und der kuscheligen Decke auf den Knien geht es aber noch, so dass ich die vorletzte Fähre noch ablegen sehen und hören kann.
Ich finde es super, dass wir es tatsächlich noch in die Dänische Südsee geschafft haben. Im Gegensatz zur Hauptsaison sind die Häfen jetzt schön leer, mit uns gibt es circa 10 andere, meist deutsche Yachten, gerne mit Herren-Crews, die sich im großen Hafenbecken verlieren. Im Juli tobt hier der Bär und man muss schon gegen Mittag da sein, um überhaupt noch in den Hafen reinzukommen. Da nehme ich die etwas kühleren Temperaturen gerne in Kauf, solange die Eisdiele noch geöffnet hat, ist alles gut 😉 [T]

One Response to “Man ist erst im Hafen, wenn man im Hafen ist – von Svendborg nach Aerököping”

  1. Christa sagt:

    Hallo,
    da habt ihr aberGlück gehabt, dass Tanja alles wieder auseinander getüddelt hat.

    Michael, Essen und ans Essen denken ist einfach toll. Frag mal Lotti!
    Die kann´s bestätigen.

    Übrigens: Ich freue michauf eure Heimekhr.
    Und die Einladung zum Essen steht noch (auch in meinem Kalender!)

    Weiterhin eine gute Fahrt
    wünscht euch Christa

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